Veganismus ausführlich für Dich erklärt

 

In diesem Beitrag geben wir Dir einen ausführlichen Überblick über Entstehung, Definition und Gründe für oder gegen den Veganismus, damit Du dir ein umfassendes Bild machen kannst und für Diskussionen gut gewappnet bist. 

 

Was ist Veganismus? 

Veganismus ist eine ethische Gesinnung und Bewegung, die schon vor Christus von vereinzelten Gelehrten wie Pythagoras oder im ersten Jhd. nach Christus von Plutarch praktiziert wurde (wobei hierbei unklar ist, ob sie sich wirklich vegan oder doch eher vegetarisch ernährten). Sie waren der Meinung, dass Gewalt gegenüber Tieren Gewalttätigkeit gegenüber Menschen fördere. Seit der Gründung der Vegan Society (abgespalten von der Vegetarian Society) 1944 in England existiert der Veganismus als Bezeichnung und als Gemeinschaft [1]. Veganer lehnen das Töten und Ausnutzen eines jeden Lebewesens ab und sind gegen Speziesismus, d.h. eine Spezies zu diskriminieren oder sich ihr überlegen zu fühlen. Dies beginnt bei anderen ethnischen Menschengruppen (Rassismus oder Sexismus) und gilt ebenso für andere, nicht-menschliche Tierarten. Hier spielt der Unterschied zwischen Tierrechten und Tierschutz eine wichtige Rolle - wir können Tiere artgerecht halten und nutzen sie trotzdem aus.
Daher essen Veganer weder Fisch noch Fleisch oder andere tierische Lebensmittel (im Gegensatz zum Vegetarier, der Milch, Eier oder Honig isst) und tragen keine Kleidung tierischen Ursprungs wie beispielsweise Leder oder Wolle. Alle tierischen Inhaltsstoffe in Produkten zu entdecken und zu vermeiden ist schwierig, weshalb wie sie in weiteren Beiträgen nach Kategorien geordnet näher erklären werden. Zunächst erläutern wir jedoch die Gründe für und gegen die vegane Lebensweise.

 

Was sind Gründe für eine vegane Lebensweise?

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Neben den ethischen Gründen, Tierleid vermeiden zu wollen, gibt es noch viele weitere Aspekte, weshalb sich Menschen für die vegane Lebensweise entscheiden. Diese sind Umweltschutz, Bekämpfung des Welthungers, Gesundheit und – als netter Nebeneffekt – kulinarische Entdeckungen durch das schmackhafte Zubereiten unterschiedlichster, pflanzlicher Lebensmittel.

Umweltschutz und Welthunger:
Neben der Industrie und den Autoabgasen zählt die Viehzucht zu den größten Luftverschmutzern überhaupt und trägt mit ihrem Methanausstoß zum menschlich verursachten Treibhauseffekt bei. Verschiedene Studien beziffern den durch die Tiere und den dazugehörigen Futtermittelanbau verursachten Beitrag zum Treibhauseffekt auf zwischen 18 und 50 % [2]. Für Viehweiden und Futtermittelanbau werden riesige Waldflächen gerodet, viele davon im Regenwald in Brasilien [3]. Außerdem ist die „Nutztierhaltung“ sehr ressourcenintensiv, da Masttiere viel Futter und Wasser benötigen, bis sie herangewachsen sind. Dies führt zum zweiten Punkt, dem Welthunger: Getreide und Wasser wird statt den Menschen in armen Ländern lieber den Masttieren für den westlichen Markt gegeben. Um 1 Kilogramm Fleisch zu „produzieren“, werden bis zu 15 Kilogramm Getreide und 15.500 Liter Wasser benötigt [4]. Um die Folgen der Umweltschädigung zu verringern und die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen, ist eine weltweite Umstellung der Ernährung hin zu einer zum Großteil pflanzlichen Kost nötig.

Gesundheit und Leistungsfähigkeit:
Entgegen der landläufigen Meinung ist eine vollwertige, pflanzliche Ernährung gesund und führt bei einer ausgewogenen und ausreichenden Nahrungsmittelzufuhr nicht zu Mangelerscheinungen. Im Gegensatz zur typischen westlichen Ernährung mit viel Fast Food, Weißmehlprodukten, Fett und Zucker, die dick und krank macht (Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs), sorgt eine ausgewogene, pflanzliche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten für eine gute Vitamin- und Mineralstoffzufuhr, enthält viele Ballaststoffe und macht so schlank und gesund [5]. Tierische Lebensmittel bergen immer die Gefahr von Salmonellen, rotes und verarbeitetes Fleisch steht im Verdacht, Krebs zu erregen, und auch Milchprodukte sind nicht so gesund, wie früher propagiert.
Frau_Outdoor_StretchingEin Großteil der Weltbevölkerung ist laktoseintolerant (wenn man bedenkt, dass Muttermilch für Säuglinge und keine ausgewachsenen Lebewesen gedacht ist, wenig verwunderlich). Außerdem steht Milch im Verdacht, Hautkrankheiten, hormonelle Probleme und sogar Osteoporose zu fördern. Allerdings ist hier die wissenschaftliche Forschung bisher sehr uneins [6]. Wichtig ist, dass ein Konsum von Milchprodukten für die Calciumzunahme nicht notwendig ist und man aus ethischen Gründen deshalb auf Milchprodukte verzichten kann und sollte. Dies sind pflanzliche Quellen für Kalzium: kalziumreiches Mineralwasser, angereicherte Pflanzendrinks und Tofu, Sesam-Mus, Mandelmus, Gemüse wie Grünkohl, Wirsing, Brokkoli oder Feldsalat, Sojafleisch, Hülsenfrüchte oder Feigen [7].
Aufgrund der vielen, negativen Auswirkungen tierischer Produkte steigen inzwischen immer mehr Sportler – egal ob Radfahrer, Marathon-Läufer oder Body-Builder – auf eine vegane Ernährung um, da sie von kürzeren Regenerationszeiten und mehr Energie profitieren.

Leckere Zutaten und Rezepte:
Viele Menschen sind beim Umstieg auf eine vegane Ernährung erstaunt, wie geschmacksintensiv und lecker einfaches Gemüse mit der richtigen Zubereitung ist. Durch die Verwendung unterschiedlicher Obst- und Gemüsesorten ist eine viel größere Vielfalt auf ihrem Teller, als früher. Gerade die indische oder asiatische Küche enthält viele, gesunde Gewürze und diverse Gerichte mit Gemüse, Tofu oder Hülsenfrüchten wie Kichererbsen. Die meisten Rezepte lassen sich durch kleine Änderungen einfach vegan nachkochen. Im Internet finden sich viele vegane Rezeptideen und auch Kochbücher bieten eine Vielfalt veganer Gerichte für jeden Geschmack.

 

Welche Argumente bringen Kritiker gegen Veganismus?

“Veganer sind mangelernährt”:
Trotz all dieser Vorteile wird die vegane Ernährung von der breiten Masse oftmals noch sehr negativ gesehen und als einschränkend empfunden. Dies beruht meist auf mangelndem Wissen, woraus sich Vorurteile und Ängste gegenüber einer veganen Lebensweise ergeben.
Kritiker berufen sich meist auf das Vorurteil, dass Proteine, Eisen und B12 nur durch den Konsum tierischer Produkte zugenommen werden könnten. Sie fürchten Mangelerscheinungen, Muskelschwund und Kränklichkeit und sind der Meinung, Veganer müssten viele Ergänzungsmittel nehmen, um gesund zu bleiben. Dass viele omnivor lebende Menschen ebenfalls Mangelerscheinungen haben oder oftmals viele Ergänzungsmittel einnehmen, um der nächsten Grippe vorzubeugen, wird dabei gerne vergessen. 
Proteine sind bis zu einem gewissen Grad in jedem Lebensmittel vorhanden. Baust Du Hülsenfrüchte, Quinoa und Tofu in deine Ernährung ein, ist es mit einer abwechslungsreichen Ernährung leicht möglich, deinen Tagesbedarf zu decken. Für Sportler gibt es zudem immer mehr vegane Proteinshakes auf dem Markt. Eisen ist in Rosenkohl, Mangold, Grünkohl und Spinat oder Sesam- und Kürbiskernen, Haferflocken, Linsen oder Vollkorngetreide enthalten.

Am besten nimmst Du eisenhaltige Lebensmittel zusammen mit Vitamin C zu Dir. Ausgewogene-vegane-Mahlzeit
B12-Mangel ist tatsächlich - wie bei jeder anderen Ernährungsweise auch – möglich und sollte überprüft werden, da Lebensmittel nicht von Natur aus B12 enthalten, sondern B12 durch Bakterien gebildet wird. Auch tierischen Nahrungsmitteln wird B12 zum Teil mit Futterzugaben zugesetzt. Durch B12-Zahnpasta, Tabletten, Tropfen oder Sprays und auch zum Teil mit B12 angereicherten Nahrungsmitteln und evtl. sogar durch Pilze und Algen kannst Du einem Mangel einfach vorbeugen. Durch Bluttests beim Arzt kannst Du kontrollieren, ob Dir Vitamine und Mineralien fehlen, hierbei sollte für B12 allerdings auf den Holo-TC-Wert geachtet werden. [8]

“Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen”:
Diese Kritiker berufen sich auf die Eckzähne im menschlichen Gebiss, die Steinzeitjäger, auf den Genuss und dass Nutztiere doch nur für unseren Gebrauch gezüchtet wurden. Doch der Großteil unserer Zähne sind eher Mahlzähne wie bei Pflanzenfressern – mit den kleinen Eckzähnen könnten wir niemals ein Beutetier reißen und essen. Zudem ekelt uns der Geruch nach frischem Blut oder Innereien eher an, während er Raubtiere anzieht. In der Steinzeit bestand vermutlich nur ein kleiner Teil der Ernährung aus Fleisch, da die Jagd schwierig und häufig nicht von Erfolg gekrönt war. Über die Jahrhunderte war regelmäßiger Fleischkonsum immer einer kleinen Oberschicht vorbehalten und auch heutzutage wird in ärmeren Ländern nur wenig Fleisch konsumiert. Die Hauptnahrungsquellen sind stärkehaltige Nahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln, Reis oder Bohnen und viel Gemüse. Auch die Haltungsbedingungen waren damals noch ganz andere und die Tiere nicht zu Hochleistungsmaschinen hochgezüchtet. Unsere heutige Massentierhaltung hat nichts Natürliches mehr.  Zudem konsumiert die westliche Bevölkerung inzwischen viel mehr Fleisch, als von den Gesundheitsorganisationen empfohlen. [9]

“Ich kaufe nur beim Metzger des Vertrauens”:
Viele Verbraucher sind davon überzeugt, dass in Deutschland eine gute, artgerechte Tierhaltung vorherrscht oder durch den Kauf beim Metzger, die gute „Qualität“ und artgerechtes Aufwachsen gewährleistet seien. Doch diese Haltungsbedingungen sind meist nur Mindestmaße und werden viel zu selten kontrolliert. Der Transport zum Schlachter bedeutet Stress und ist keinesfalls artgerecht. Geschlachtet werden die Tiere letztlich alle gleich, egal ob Bio oder nicht [10]. Laut Umfragen kauft ein Großteil der Menschen Biofleisch oder beim Metzger – aber wer kauft dann das ganze Billigfleisch beim Discounter? Viele Menschen sehen gar nicht mehr, bei wie vielen Mahlzeiten sie Fleisch konsumieren – auch Wurst, Schinken und Aufschnitt sind Fleisch. Hier klaffen Eigenwahrnehmung und Realität weit auseinander.

“Für Eier und Milch stirbt doch kein Tier”:
Wieso Eier und Milchprodukte schlecht sein sollen, weiß kaum jemand und verweist auf Protein für den Muskelaufbau und Calcium für starke Knochen. Kuh_im_Stall_statt_auf_WeideJedoch werden männliche Küken, die nicht für die Ei-Produktion benötigt werden, oft direkt nach dem Schlüpfen durch schreddern oder vergasen beseitigt und Legehennen bekommen als Schutzmaßnahme die Schnäbel abgezwickt [11]. Sie sind wie viele Masttiere mit Antibiotika und weiteren Medikamenten vollgepumpt. Dies kann zu Antibiotikaresistenzen führen, auch beim Menschen. Milch entsteht nicht von selbst. Ein (weibliches) Lebewesen gibt nur Milch, wenn sie ein Baby zu versorgen hat. Daher werden Kühe regelmäßig künstlich besamt und ihnen werden ihre Kinder direkt nach der Geburt weggenommen, damit diese nicht die Milch trinken. Kühe schreien und suchen nach ihren Kindern, wie menschliche Mütter. Die Tiere erreichen nur einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung, ehe sie geschlachtet werden, da sie nicht mehr genug Profit bringen oder sie sterben an Überlastung. [12]

“Leder ist ein Nebenprodukt der Fleischindustrie und Wolle scheren tut nicht weh”:
Leder aus der Fleischindustrie ist oftmals nicht geeignet, um größere Produkte aus Leder zu fertigen, da die geschlachteten Tiere zu viele Hautverletzungen haben, die zu unschönen Stellen auf dem Leder führen. Deshalb werden Tiere für schönes, glattes Leder extra gezüchtet. Die Gerbstoffe sind oftmals sehr schädlich für Arbeiter und Umwelt [13]. Für Wolle werden Schafe mit extra vielen Hautfalten gezüchtet, um mehr Oberfläche zu haben. Dies führt oft zu Infektionen und der Einnistung von Fliegenlarven. Beim Scheren werden Tiere zu Boden gestoßen und oftmals mit der Schermaschine verletzt, da es viel zu schnell gehen muss, um Rücksicht auf sich wehrende Tiere zu nehmen. [14] Für Seide werden Raupen in ihren Kokons gekocht. Angora-Wolle ist Wolle von Angora-Kaninchen und wird ihnen oftmals unsanft ausgerupft.

 

Wie Du siehst, gibt es mehr als genug Gründe, um vegan zu leben. Wir hoffen, der Beitrag konnte Dir einen guten Überblick geben. In den nächsten Blogbeiträgen werden wir auf vegane Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung eingehen und erklären, welche Produkte vegan sind und welche nicht. Sollten Fragen offengeblieben sein oder hast du Ideen für Themen, die wir in zukünftigen Blog-Beiträgen behandeln sollen, dann schreibe sie gerne in die Kommentare!

Go_vegan


 

Quellen:
[1] https://www.vegansociety.com/go-vegan/definition-veganism
[2] https://www.simply-live-consciously.com/deutsch/ernährung-umwelt/51-der-treibhausgase/
[3] http://www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/flaechenverluste.htm
[4] https://vebu.de/veggie-fakten/ernaehrungsformen/vegane-ernaehrung/
[5] https://vebu.de/fitness-gesundheit/veggie-in-jeder-lebensphase/
https://vebu.de/fitness-gesundheit/ernaehrungspyramide/vegane-ernaehrungspyramide/
[6] https://vgt.at/publikationen/infomaterial/milchUndKalzium.pdf
https://www.osd-ev.org/osteoporose-therapie/osteoporose-ernaehrung/calcium/ https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/News/Dateien/Ernährungsphysiolog-Bewertung-Milch-Milchprodukte.pdf
[7] https://vebu.de/fitness-gesundheit/naehrstoffe/kalzium-mit-kalziumhaltigen-lebensmitteln-optimal-versogt/
[8] https://www.petazwei.de/m/alles-ueber-vitamin-b12
[9] https://vebu.de/los-gehts/fleisch-oder-pflanze/diskussionsleitfaden/
[10] https://www.peta.de/vegane-ernaehrung-argumente (Punkt 4)
[11] https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/huehner-in-huehnerzucht-und-huehnerhaltung/
[12] https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/kuehe-kuhhaltung-in-der-milchproduktion/
[13] https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/leder-tierleid-und-umweltverschmutzung
[14] https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/schafe-wolle-aus-schafhaltung/

 

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